20:00 - 22:30

Herbie’s special . Rotwelsch

Herbie’s special . Rotwelsch . Philipp Maria Rosenberg („Tastentatschler“) . Florian Kolb („Gröbling“) . Chris Massey („Feldschieder“)

Rotwelsch horcht zurück in eine Zeit, in der Musikanten in einen Topf mit fahrendem Gesindel, mit «Zigeunern», mit den jüdischen reisenden Händlern, den Ganoven, Räubern und Banditen geworfen wurden. Rotwelsch war ihre Sprache, deren Ausläufer bis heute in Parallelgesellschaften florieren. Sie bietet einen faszinierenden Zugang zu eigentümlichen Identitäten am Rande der bürgerlichen Gesellschaft, die trotz argwöhnischer Blicke der Arrivierten einen grossen Einfluss auf die abendländische Kultur hatten. Während der Alltag dieser Randgänger hart und mit zahlreichen Entbehrungen verknüpft war, fanden idealisierte Vertreter dieser Welt den Weg auf die Bühnen und in die Romane des Bürgertums – Franz Moor aus Schillers «Die Räuber», Kleists «Michael Kohlhaas», die Banditen und «Zigeuner» der Operetten ebenso wie die «Bergkatzen» und «Räuberprinzessinnen».

"Rotwelsch"
„Rotwelsch“

Raubeinige Wegelagerer mit grossen Gefühlen, gesellige Runden unter Alkoholeinfluss am Lagerfeuer, Verwirrspiele, Finten und Manöver, die ihren Ausgang mal mit operettenhaftem Happy End, mal am Galgen nahmen, unterhielten die Massen bestens. Die Musik von Rotwelsch bezieht sich spielerisch und schalkhaft auf diese kreative und sprachschöpferische Kultur sowie ihre romantisierte Spiegelung in der literarischen Welt. Eigenkompositionen mit Wurzeln in der Jazztradition und sprechenden Titeln wie «Vagabundenherz» oder «Verirrungen auf der Gefühlsschlachtbank» schielen zum grossen Pathos, während Stücke wie «Dirnengeplapper» vor Lautmalerei keinen Halt machen. Kraft und Spontaneität bezieht Rotwelsch aus der improvisierten Musik. Statt dem Real Book dienen unvergessene Klassiker der Operettenwelt als Basis für Neuinterpretationen («Ich knüpfte manche zarte Bande», «Schwarze Ninetta»). Rotwelsch vagabundiert zwischen diesen musikalischen Welten und wagt den Drahtseilakt zwischen Kunst, Krach und Kitsch. „Rotwelsch? „Wir grean schmeulern. Wir, Klingenfetzer, Besetler, Kochemen in Personalunion, malochen, dippeln unter dem Hitzling durch den Strich und bafen bei Schwärz am Funken.“, so im Originalton. Die «wissende Sprache» der Freien, Ungebundenen. Für alle Nichtkundigen in trockenem Deutsch der Lexika: „Das Rotwelsch“, schrieb einst Siegmund Wolf, „ist eine Schöpfung der mittelalterlichen Landstraßen als dem einzigen Zuhause der großen Gemeinschaft aller durch Gesetz und ständische Ordnung von bürgerlichem Stadtleben oder ländlicher Seßhaftigkeit Ausgeschlossenen.“ Lassen Sie sich überraschen und begeistern!

Tickets/Reservierungen nur bei Herbert „Herbie“ Leis per Mail gastro@hemingwaylounge.de oder telefonisch unter +49 721 49972877.

Eintritt: Regulär 18,- € . Mitglieder des Vereins KlangKunst e. V. 16,- € . Schüler/Studierende 10,- €